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Schach-Trainingsplan einer Weltmeisterin

Schach-Trainingsplan einer Weltmeisterin

Hallo, liebe Schachfreundinnen! Mein Name ist Tatiana Flores, ich bin 24 Jahre alt und arbeite als Schach-Journalistin und Autorin. Ich habe das Schachspielen 2020 nach vielen Jahren Pause wieder aufgenommen und wurde im November 2021 Weltmeisterin für Menschen mit Behinderung.

Wie ihr hoffentlich schon bemerkt habt, schreibe ich monatlich einen Blog-Artikel hier auf schachliebe.de zu Themen wie Motivation & Inspiration, Schach lernen oder Schach-Wissen. Diesen Monat wurde ich gebeten, euch meinen eigenen Trainingsalltag als Schachspielerin vorzustellen, worüber ich mich sehr freue.

Tatiana Flores mit ihrer Goldmedaille von der Weltmeisterschaft für Menschen mit Behinderung 2021.
Ich, Tatiana Flores, sehr glücklich mit meiner Goldmedaille nach der Weltmeisterschaft für Menschen mit Behinderung 2021.

Meine Schach-Vorkenntnisse

Ich hatte in der Grundschule sechs Jahre lang zwei Mal in der Woche Schachunterricht. Unser Lehrer Óscar De La Riva Aguado war ein erfahrener Schachspieler, der mittlerweile Großmeister ist. Bis zu meinem 21. Lebensjahr habe ich dann nicht mehr ans Schach gedacht. Nach langer Krankheit griff ich es wieder auf und verliebte mich sofort in das Spiel. Im März 2020 entschloss ich mich dazu, intensiv und „richtig“ anzufangen, Schach zu trainieren. Was „richtig“ bedeutet, musste ich selbst herausfinden. Das war oftmals mit Frustration und Enttäuschung verbunden, aber mittlerweile habe ich meine perfekte Trainings-Art gefunden.

Rahmenbedingungen für mein Schachtraining

Ich arbeite von zu Hause aus als Schach-Journalistin und Autorin. Die Zeit, die ich für meinen Beruf benötige, variiert von Woche zu Woche, da ich manchmal umfangreiche Aufträge habe, die schnell erledigt werden müssen. In der Regel habe ich jedoch an Arbeitstagen zwei Stunden Zeit für mein Schachtraining. Am Wochenende nehme ich mir konsequent einen Tag frei, an dem ich nur Schach trainiere, normalerweise für 4 Stunden. Diese Routine unterbreche ich nur (ungern), wenn ich sie durch Arbeit, Krankheit oder Urlaub nicht einhalten kann. An einem Nachmittag in der Woche trainiere ich zusammen mit meinem Vater online. In den zwei Stunden füttert er mich mit Aufgaben und Anregungen, die ich dann selbstständig während der Woche nacharbeite und trainiere.

Meine Ziele beim Schachtraining

Mein allgemeines Trainingsziel ist es, so gut im Schach zu werden, wie mir nur möglich ist. Da das ein recht schwammiges Ziel und vermutlich auch eine Aufgabe fürs Leben ist, habe ich mir als nächste Priorität gesetzt, FM zu werden. Das heißt die FIDE Meister-Titel-Anforderungen zu erfüllen. Ich bin bei einigen Themen über das Niveau hinaus, bei anderen nicht, also fokussiere ich mich seit der Weltmeisterschaft darauf, diese Lücken in meinem Training zu füllen.

Meine Trainingsinhalte

Ich muss gestehen, dass ich mein Training nicht konsequent in Eröffnung, Mittelspiel und Endspiel teile. Ich finde das allgemein schwierig, da eine Phase gezwungenermaßen zur anderen führt und man sie in einer Partie schließlich auch nicht konkret voneinander trennen kann. Trotzdem versuche ich mein Schachtraining in Themen zu teilen, um diese genauer trainieren zu können.

Mehrere Schachbücher, empfohlen von Weltmeisterin Tatiana Flores.
Auf dem Bild seht ihr meine Grundausrüstung fürs Schach. Das Buch „Learn Chess“ von John Nunn und „Grundzüge der Schachstrategie“ von José Raul Capablanca (hier auf Spanisch abgebildet) waren meine ersten Wegbegleiter.

Eröffnungstraining

Um ein allgemeines Wissen über alle relevanten Schacheröffnungen zu haben, finde ich eine Eröffnungsenzyklopädie sehr hilfreich, wie zu. B. die „Batford’s Modern Chess Openings“ von Nick de Firmian. Darin kann ich mir immer die populärsten Varianten anschauen und alles über die generellen Pläne einer jeweiligen Eröffnung erfahren. Mein Eröffnungsrepertoire habe ich mir mit der Zeit selbstständig aus Online-Kursen, Erklär-Videos, Partien sehr starker Spielerinnen und Wissen meines Trainers (mein Vater) zusammengestellt. Mein Eröffnungsrepertoire trainiere ich gezielt einen Tag in der Woche, indem ich alle wichtigen Varianten und ihre Pläne konzentriert durchgehe.

Mittelspieltraining

Im Mittelspiel trainiere ich Taktik und Strategie getrennt, das Rechnen ist in beidem integriert. Ersteres übe ich mit Taktikaufgaben online auf verschiedenen Plattformen oder auch am PC z.B. mit einem Taktik-Kurs mit Aufgaben. Bei der Strategie ist es mir wichtig, die Aufgaben auf dem Brett vor mir zu haben. Die Aufgaben hierfür bekomme ich meistens von meinem Vater gestellt. Manchmal finde ich jedoch auch interessante Aufgaben auf Schachseiten im Internet, die ich mir dann anschaue.

Endspieltraining

Um gezielt Endspiele zu trainieren, benutze ich das Buch „100 Endspiele, die Sie kennen müssen“ von Jesus de la Villa. Außerdem suche ich mir immer Endspiele aus meinen eigenen Partien heraus, um sie genauer und besser zu studieren. Ich trainiere auch viel mit Endspiel-Studien, die ziemlich bekannt sind. Die meisten davon habe ich von Online-Seminaren, an denen ich während der Pandemie teilgenommen habe.

Wenn ich z. B. sehr müde bin oder es mir durch eine meiner Erkrankungen nicht so gut geht, dass ich intensiv trainieren kann, nehme ich mir eine Schachzeitung und blättere diese durch. Da ich mehrere Sprachen spreche, habe ich viele auf Spanisch, ab und zu auf Französisch und natürlich auch auf Deutsch. Solche Zeitungen helfen mir auf dem Laufenden bei neuen Ideen im Schachspiel zu bleiben und alle haben meistens einen „geschichtlichen Teil“, den ich sehr interessant und lehrreich finde.

Mehrere Schach-Zeitschriften, empfohlen von Weltmeisterin Tatiana Flores.
Verschiedene Schachzeitschriften, die ich besitze.

Nur Schach im Kopf!

„Manchmal könnte man wirklich meinen, dass du vom Schach besessen bist“, hat mir meine Familie mal gesagt. Vielleicht stimmt es sogar, vielleicht liebe ich es auch nur so sehr. Jedenfalls mag ich es, mich auch in meiner Freizeit mit Schach zu beschäftigen – weil es mir eben Spaß macht. Zum Beispiel lese ich gerne Bücher und Artikel, die mit Schach zu tun haben, schaue mir Filme mit schachlichen Themen an oder besuche auch gerne mal Ausstellungen über Schach. Ich finde – auch wenn es etwas verdreht klingen mag – dass ich gerade dadurch eine Distanz zum Schach gewinnen kann und es als etwas anderes als nur meine Leidenschaft, Beruf und eventuell Besessenheit betrachten kann. Denn ich bin davon überzeugt, dass Schach so viel Unterschiedliches für uns alle sein kann.

Tatiana Flores mit dem Buch "Das Damengambit" von Walter Tevis.
Mir hat das Buch „Das Damengambit“ von Walter Tevis sehr gefallen und empfehle es begeistert weiter.
Tatiana Flores mit alten Schachcomputern im Heinz-Nixdorf-Museum in Paderborn.
Im Heinz-Nixdorf-Museum in Paderborn gibt es eine kleine Ausstellung über die ersten Schachcomputer aller Zeiten.
Geschrieben von:
Portrait von Tatiana Flores, die in die Kamera schaut und lächelt.
Tatiana Flores
Journalistin, Schriftstellerin & Schachspielerin

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Melanie Lubbe auf dem Boden sitzend mit einem Laptop auf dem Schoß.

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