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Geschlechterunterschiede im Schach: Warum Männer erfolgreicher sind

Geschlechterunterschiede im Schach: Warum Männer erfolgreicher sind

Dass Frauen und Mädchen für Wissenschaft, Mathematik, logisches Denken, MINT- und STEM-Berufe etc. nicht weniger begabt als Männer und Jungs sind, ist seit Langem bekannt. Natürlich wurde das für Skeptiker mit reichlich Studien und Experimenten belegt. Das Gleiche gilt fürs Schach. Doch wieso gibt es nur eine einzige Frau in der Top-100-Liste der Welt? Wieso haben durchschnittlich Frauen eine viel niedrigere Elo-Zahl als Männer? Und was ist der Grund dafür, dass es für jede zehn Schachspieler in einem Verein mit viel Glück eine Schachspielerin gibt?

Mann spielt gegen Frau Schach
Trotz gleicher Fähigkeiten haben es Frauen viel schwerer im Schachsport als Männer. Zeit die herrschenden Ungleichheiten anzusprechen.

Die Rolle der FIDE

Alice Lee, Eline Roebers, Elisabeth Pähtz, Dinara Wagner, Aleksandra Goryiachkina, Alexandra Kosteniuk und Ju Wenjun sind nur einige der Spielerinnen, die jeweils in ihren Kategorien im Schach momentan Rekorde brechen. Dennoch hört und liest man in der Schachwelt von einem „Fehlen von Top-Weiblichen-Talenten“, einer „riesigen Kluft zwischen den Fähigkeiten von Frauen und Männern“, „Mädchen interessieren sich eben von Natur aus mehr für Blumenarrangements“, „Mädchen haben einfach nicht die Gehirne fürs Schach“, „Testosteron macht die Männlichen Schachspieler ehrgeiziger“.

Diese öffentlichen Äußerungen stammen von hochrangigen FIDE-Beschäftigten selbst. Die FIDE (Internationale Schachföderation) ist die Dachorganisation aller Schachverbände. Ihr eigenes Motto auf Lateinisch lautet Gens una sumus, was „Wir sind eine Familie“ bedeutet. Dieses nehmen sie nur mit Ausnahmen war. In ihrer Geschichte hat die FIDE das Frauenschach und allesamt weibliche Spielerinnen nicht nur bei der Festlegung von Preisgeldern, der öffentlichen Berichterstattung oder Aussagen bezüglich der weiblichen Fähigkeiten stark diskriminiert.

Entschlossen, der Ungleichbehandlung der Geschlechter im Schach (die von ihnen selbst in großen Teilen kam) entgegenzuwirken, rief die FIDE 2022 das Jahr der Frauen im Schach ins Leben – „The Year of Women in Chess“. Im Großen und Ganzen waren die angebotenen Veranstaltungen beliebt und erfolgreich, viel haben sie intern beim Weltverband aber nicht verändert. Die FIDE verbündete sich nämlich mit Saudi Arabien im Kampf um Gleichberechtigung und holte eine dubiose Brustimplantat-Firma als Hauptsponsor fürs Frauenschach ins Boot. Die offizielle Webseite der Frauenweltmeisterschaft 2023, in der die amtierende Weltmeisterin Ju Wenjun gegen ihre Freundin und Landesmitspielerin Lei Tingjie ihren Titel zu verteidigen suchte, wurde erst nach der ersten Partie des Wettkampfes online gebracht. So ein Verhalten wäre bei der (offenen) Weltmeisterschaft undenkbar gewesen. Da spielte man um 2.000.000 USD anstatt um 500.000 USD Preisgeld. Um die Unterrepräsentierung der Frauenweltmeisterschaft abzurunden, twitterte der FIDE CEO über seinen Skeptizismus gegenüber diesem Match.

Twitter Beitrag von Emil Sutovsky über die Frauenweltmeisterschaft
Mit diesem Schrei nach Aufmerksamkeit tat der eigene CEO der FIDE weder sich selbst noch seiner Aufgabe, dem Schach zu dienen, einen Gefallen.

Diese Zusammenfassung verdeutlicht den Stellenwert, den das Frauenschach und weibliche Spielerinnen für den Weltverband einnehmen.

Auch den professionellen Spielerinnen macht die FIDE die Karriere nicht leicht. So berichtet die deutsche Nummer eins, GM Elisabeth Pähtz, in einem Interview mit dem Schachmagazin ChessBase über das katastrophal gelaufene Grand Prix Turnier der Frauen in Indien. Die dort geltenden Bedingungen hätte man den männlichen Kollegen nie zugemutet. Das war auch der Grund dafür, dass eine der Top-Spielerinnen aus Protest das Turnier vor Beginn verließ.

Geschlechtertrennung bei Schachturnieren

Spielerinnen sind in der Schachwelt bei Weitem nicht so willkommen wie Spieler. Eine Teilnahme von einer Frau zu zehn Männern erklärt durchaus den sich ergebenden Leistungsunterschied. Besonders wenn man gleichzeitig in Betracht zieht, dass es im Schach offene Turniere und Frauenturniere gibt. Wieso gibt es diese Geschlechteruntertrennung überhaupt, wenn die gleichen Fähigkeiten vorhanden sind?

Der Grund ist ein historischer. Bis Mitte des 18. Jahrhunderts waren Frauen überhaupt nicht in Schachklubs erwünscht. Dementsprechend wäre eine Geschichte – wie die von Beth Harmon im Damengambit – in der Realität überhaupt nicht möglich gewesen. Susan Polgar wurde zum Beispiel 1986 verboten, an der Weltmeisterschaft der „Männer“ teilzunehmen, als sie sich dafür regelkonform qualifiziert hatte. Der Grund: ihr Geschlecht passte den Spielern nicht. Lange Zeit waren also die Geschlechter im Schach aus gesellschaftlichen Gründen getrennt. Diese Trennung besteht heute immer noch. Einzelne Länder wie zum Beispiel Spanien haben diese Geschlechtertrennung bei Turnieren weitestgehend abgeschafft und sehen, wie das Schach davon profitiert. Andere Schachföderationen wollen dem Beispiel nicht folgen.

Sexismus und Diskriminierung im Schach

Ein weiterer schwerwiegender Grund, warum sich viele Frauen und Mädchen trotz der Möglichkeit in offenen Turnieren zu spielen, sich für die Frauen-Sektion entscheiden, ist ein aktuell großes Problem im Schach. Sexismus, verbale Diskriminierung bis hin zu sexuellen Belästigungen und Übergriffen ist allgegenwärtig.

Artikel über Diskriminierung von Frauen im Schach
Der Artikel „Unsichtbare Figuren: Frauen im Schach“ war einer der ersten, der die Metoo-Bewegung im Schach auslöste und über die Diskriminierung von Frauen im Schach aufklärte.

WGM Jennifer Shahade wurde als Profi-Spielerin (wie viele andere bekannte Spielerinnen auch) selbst Opfer von schwerer sexueller Gewalt. Ihr Arbeitskollege GM Alejandro Ramirez attackierte sie zwei Mal, was sie dazu veranlasste, ihre Schachkarriere zu beenden und sich dem professionellen Poker zuzuwenden. Dies ist kein Einzelfall in der Schachwelt und die Handlungen von den Führungskräften der Organisationen sind in diesem Aspekt mangelhaft. Oft wird den Opfern nicht geglaubt und sogar bei Beweisen, wie in Shahades Fall, werden die Taten aus Bequemlichkeit ignoriert. Das hat zu Folge, dass die Opferzahl – worunter sich nicht selten Minderjährige befinden – weiterhin ohne Gegenwind steigt.

Ein weiteres Zeichen dafür, dass Gewalt gegenüber Mädchen und Frauen im Schach definitiv das Interesse des Geschlechts am Sport verhindert, ist das zahlreiche Aussteigen der Spielerinnen in den Teenager-Jahren. Viele Frauen berichten darüber, dass sie zunehmend belästigt wurden, als sich ihre Körper anfingen zu entwickeln. Dies war und ist ein ausschlaggebender Grund dafür, mit dem Schach aufzuhören.

Berichterstattung über Schachspielerinnen

Es gilt auch zu erwähnen, dass talentierte Schachspielerinnen viel weniger Aufmerksamkeit in den Medien bekommen, als talentierte Spieler – unabhängig von der Spitzenqualität ihrer Partien.

Eines dieser Talente ist die Internationale Schachmeisterin Dinara Wagner. Ihre Partien standen mehrmals im Mittelpunk von Melanie Lubbes monatlicher Partieanalyse auf ihrem Youtube-Kanal. Erst kürzlich setzte Wagner ihre starke Erfolgsserie mit einem Turniersieg beim Sportland NRW-Cup fort. Sie erspielte sich nicht nur ihre letzte benötigte IM-Norm, sondern auch gleich ihre zweite GM-Norm und einen Elo-Zuwachs von 21 Punkten. Kurz danach gewann sie im Juli souverän die Deutsche Blitz-Einzelmeisterschaften der Frauen in Viernheim.

Tabelle vom Sportland NRW-Cup 2023
IM Dinara Wagner hat mit 7/10 Punkten und null Niederlagen mehr als souverän das Sportland NRW-Cup 2023 gewonnen.

Solche Erfolgsgeschichten sollten noch viel stärker in den deutschen und internationalen Medien thematisiert werden, um den Spielerinnen die verdiente Aufmerksamkeit zu schenken und Nachwuchsspielerinnen zu motivieren und inspirieren.

Geschlechterrollen und Vorurteile

Weitere Gründe für die niedrigen Beteiligungszahlen und den Leistungsunterschied der Geschlechter liegen in der Gesellschaft, in der man als Individuum groß wird. Der Erfolg von vielen Top-Spielerinnen zeichnet sich zum Beispiel dadurch aus, dass sie in der Familie eine sichere und wohlwollende Schach-Atmosphäre hatten. So erging es den Muzychuk-Schwestern, den Polgar-Schwestern, GM Elisabeth Pähtz etc. 

Zeitungsartikel "Spielen Frauen schlechter Schach als Männer?"
Die Antwort lautet selbstverständlich nein. Es ist jedoch unentbehrlich, dass Mädchen seit früher Kindheit die gleichen Chancen wie Jungs haben, um es erreichen zu können.

Die Einstellung zu Geschlechterrollen und -Klischees spielen wie in jedem anderen Sport auch eine große Rolle. Wenn man als Elternteil nur seine Söhne dazu ermutig, Schach zu lernen und die Töchter zum Ballett schickt, nährt man das Feuer der Ungleichbehandlung der Geschlechter aktiv mit. Vorurteile, Unwissen und sogar Menstruationsmythen sind in der Schach-Szene noch allgegenwärtig. So liest man in „Chess Queens“ von Jenifer Shahade, dass viele Schachtrainer es als wichtig empfinden, zu wissen, wann ihre Spielerinnen menstruieren, denn dann verhalten sich die Frauen ja sowieso wie eine andere Person. Selbst Susan Polgar, eine der wichtigsten Schachspielerinnen der Geschichte, äußerte selbstsicher der US-amerikanischen Spielerin gegenüber, dass Frauen während ihrer Periode eine andere Eröffnung spielen sollten.

Fehlende finanzielle Unterstützung im Frauenschach

Auch die fehlende finanzielle Unterstützung und das mangelhafte Sponsoring fürs Frauenschach und Spielerinnen ist ein Problem, das zum Ungleichgewicht beiträgt. Hier wirkt zum Beispiel seit 2023 die Frauenkommission der Europäischen Schachunion mit finanziellen Mitteln dagegen -> siehe Beitrag über die finanzielle Unterstützung von Frauenturnieren. Das Elite-Turnier Norway Chess hat 2023 angekündigt, ein Frauenturnier mit gleicher Bezahlung wie das offene veranstalten zu wollen -> siehe Beitrag zu Gender Equality in Chess 

Es gibt also immer wieder Bestrebungen für mehr Gleichberechtigung der Geschlechter im Schach. Bis zur Erreichung dieses Ziels liegt aber noch ein weiter Weg vor uns.

Lasst uns daher gemeinsam für Vielfalt, Gleichberechtigung und Inklusion im Schachsport kämpfen und gegen Diskriminierung und Vorurteile vorgehen!

Weitere Beiträge zu dem Thema

Geschrieben von:
Portrait von Tatiana Flores, die in die Kamera schaut und lächelt.
Tatiana Flores
Journalistin, Schriftstellerin & Schachspielerin

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7 Antworten

  1. Selten einen solch konstruierten und schlechten Artikel gelesen, liegt vermutlich an der wirren Vorstellung einer klassenlosen Gesellschaft, Utopia läßt grüßen.

    Frauen fühlen sich belästigt, die Autorin deutet dies sogar als Gewalt, wenn diese sich im pubertären Alter körperlich veränderten, eine Quellenangabe / Statistik hierüber wird nicht angeführt und auch nicht, wer (Trainer, Mitspieler, Zuschauer etc.) denn diejenigen waren, die den armen angehenden Frauen das Schachspiel verleideten. Es sieht vielmehr so aus, anstelle sich den Realitäten stellen zu wollen, der Rückzug in die geschützte Opferrolle ein willkommene Ausrede darstellt.

    Man muss gar nicht lange suchen um herauszufinden, dass die Ausrede zum Status Quo wird, anstelle sich dem eigenen Anspruchsdenken zu stellen und selbstbewußt die Behauptung auch zu beweisen. Frauen dürfen zum Glück in zivilisierten Gesellschaften all das machen, was Männer schon immer durften. Nun ist es an der Zeit, sich dem zu stellen und nicht weinend in der Ecke zu verharren.

    Nicht lamentieren, machen !

    1. Buh, geh mit deinem Zeug woanders hin.
      Allein das Gefasel, dass eine klassenlose Gesellschaft nicht existieren kann (da sie utopisches Denken sei) und zugleich behaupten, Frauen wären frei, das zu tun, was Männer schon immer durften, zeigt, dass die eigenen Aussagen gar nicht verstanden werden.

  2. Vielen Dank für den gut recherchierten Artikel und die weiteren links zum Thema. Bis zu dem Tag, an dem alle Menschen die gleichen Möglickheiten haben, ist es noch ein weiter Weg – dies wird ja leider auch an einigen Kommentaren deutlich. Ich bin froh, dass Frauen Schach spielen, obwohl sie kritisiert, diskriminiert und unter Druck gesetzt werden (z.B. durch sexuelle Belästigung oder Vorurteile). Macht weiter so. Schach spielen lernen wir alle vom Schach spielen. I have a dream….

  3. Der Artikel ist in sich widersprüchlich und die Forderung nach gleichem Preisgeld für Frauenturniere wie für offene Turniere ist in meinen Augen sachlich nicht begründbar und absolut ungerechtfertigt.

    EINERSEITS: Es wird behauptet, dass Frauen im Schach bei ihren Frauenturnieren (von denen Männer wegen ihres Geschlechts ausgeschlossen sind!) wegen angeblich mangelnder Berichterstattung und wegen Preisgeldern, die nicht auf Höhe der Preisgelder in vergleichbar strukturierten offenen Turnieren sind, diskriminiert würden. Es wird Inklusion von Frauen gefordert.

    ANDERERSEITS: Es wird festgestellt, dass Frauen ebenso gut Schach spielen können wie Männer, also dass Frauen im Vergleich zu Männern im Schach wegen ihres Geschlechts nicht benachteiligt sind. Zudem wird festgestellt, dass Frauen die Teilnahme an offenen Turnieren nicht verwehrt ist, sie also Chancen haben dieselben Preisgelder abzustauben wie Männer, wenn sie nur ebenso gut Schach spielen. Es wird also zugegeben, dass Inklusion eigentlich schon, was den Aspekt Preisgeld im Verhältnis zu Leistung, mit der Teilnahmemöglichkeit an offenen Turnieren voll da ist. Im Artikel wird daher durchaus direkt oder indirekt kritisiert, dass es überhaupt die Parallelstruktur Frauenschach im Schachsport gibt, also Turniere nur für Frauen, Titel nur für Frauen, Preisgelder nur für Frauen. Mit der geichzeitige Forderung diese Strukturen auszubauen und mit noch mehr Preisgeld zu unterfüttern, wird im Artikel allerdings implizit auch das Gegenteil von Inklusion von Frauen, nämlich die Separation gefordert. Man kann nicht Inklusion fordern und gleichzeitig fordern, dass die separierenden Strukturen ausgebaut werden sollen. Das ist widersprüchlich!

    MEINE MEINUNG: Die Parallelstruktur des „Frauenschachs“ (ich finde den Begriff ebenso lächerlich wie „Linkshänderschach“) im Schachsport mit ihren eigenen Turnieren, Titeln, Preisgeldern exklusiv für Frauen und von denen Männer ausgeschlossen sind, ist bizarr und ambivalent, weil sie gleichzeitig Männer und Frauen, aber auf unterschiedliche Weise wegen ihres Geschlechts diskriminiert. Wenn keines der Geschlechter einen Vorteil gegenüber dem anderen Geschlecht hat (und das denke ich auch, denn es gibt keine sachlichen, wissenschaftlichen Erkenntnisse, dass Frauen im Schach wegen ihres Geschlechts gegenüber Männern Nachteile hätten), dann ergeben Turniere, Titel und Preisgelder nur für Frauen schlicht keinen Sinn, sondern suggerieren eben, dass Frauen wegen ihres Geschlechts angeblich Nachteile im Schach hätten und deswegen Männer dort ausgeschlossen sind. In körperlichen Sportarten ist es klar, dass Frauen dort in der Regel wegen ihres Geschlechts (und somit weniger Muskelmasse, weniger Lungenvolumen, etc.) körperliche Nachteile haben und deswegen strikt zwischen Frauen und Männern in diesen Sportarten unterschieden wird. Aber ausgerechnet im Schach, einem Sport, wo dies nicht der Fall ist, gibt es eine gewisse Abspaltung von Frauen. Wenn eines auf Turniere, Titel und Preisgelder zutrifft, von denen Männer wegen ihres Geschlechts ausgeschlossen sind, dann dass diese Praxis diskriminierend gegenüber Männern ist. Und die Preisgelder sind in Frauenturnieren deswegen niedriger, weil ein erheblicher Teil der Schachspieler und somit Konkurrenz (nämlich die Männer!) von diesen Turnieren ausgeschlossen ist und es somit viel leichter ist mit geringerer Spielstärke solch ein Turnier zu gewinnen oder eine gute Platzierung in einem solchen Turnier zu erreichen! Man stelle sich vor es gäbe Turniere, Titel und Preisgelder, von denen Frauen ausgeschlossen wären, der Aufschrei der Frauen wäre gewaltig (und das zurecht!). Vielmehr ist die Möglichkeit, dass Frauen im Schachsport mit ELO 2300 bis 2600 durch Teilnahme an Frauenturnieren (bei denen Männer ausgeschlossen sind) insgesamt wesentlich mehr Geld verdienen können als ihre gleichstark spielenden männlichen Sportkollegen mit ELO 2300 bis 2600 ein FINANZIELLES PRIVILEG für Frauen. Frauen mit einer Spielstärke von ELO 2400 bis 2600 können sogar vom Schachsport leben, Männer mit einer Spielstärke von ELO 2400 bis 2600 können das nicht! Und dann beklagen sich die auf diese Art und Weise finanziell privilegierten Frauen auch noch darüber, dass die Preisgelder in Frauenturnieren nicht genauso hoch seien wie bei vergleichbar strukturierten offenen Turnieren (an denen diese Frauen auch teilnehmen dürfen!). Das heißt obwohl Frauen im Schachsport bereits finanziell privilegiert sind durch die Existenz dieser Frauenturniere mit ihren exklusiven Preisgeldern, fordern einige Frauen tatsächlich noch die Angleichung der Preisgelder in Frauenturnieren an die der offenen Turniere. Meine Meinung ist also, wie ich eindrucksvoll sachlich begründe habe, dass Frauen im Schachsport finanziell NICHT diskriminiert werden, sondern im Gegenteil finanziell ERHEBLICH privilegiert sind. Und jetzt zum Punkt, warum ich diese Frauenschachstrukturen bizarr und auch diskriminierend gegenüber Frauen empfinde, nämlich eben auf andere Weise! Es ist nämlich durchaus möglich und denkbar, dass die weltbesten weiblichen Schachspieler sich wegen dieses finanziellen Privilegs im Frauenschach weniger hart trainieren, wenn sie merken „oh, ich muss gar nicht ELO 2650+ erreichen um von Schach leben zu können“. Das hat nichts mit dem Geschlecht zu tun, sondern jede Gruppe von Menschen, die finanziell privilegiert ist, und weniger leisten muss, um dasselbe finanziell zu erreichen, würde sich dann weniger anstrengen. Insbesondere die Existenz der Frauentitel WCM, WFM, WIM, WGM, die mit einer 200 geringeren ELO im Vergleich zu den offenen Titeln CM, FM, IM, GM behaftet sind, suggerieren, dass Frauen nicht nach mehr streben sollten. Diese Frauentitel sind also diskriminierend gegenüber Frauen. Aber auch die Frauentitel haben hier wieder eine die Männer diskriminierende Komponente, also eine Ambivalenz und verschaffen Frauen einen finanziellen Vorteil. Frauen mit Titel WIM (2200 ELO), WGM (2300 ELO) dürfen oft startgeldfrei an Turnieren teilnehmen, was Männer mit derselben Spielstärke nicht dürfen, weil sie wegen ihrem Geschlecht vom Erwerb dieser Titel ausgeschlossen sind. Frauen können mit Spielstärke 2000 (WCM) und 2100 (WFM) überhaupt anerkennende Titel bekommen, während Männer derselben Spielstärke 2000 und 2100 ELO überhaupt keinen Titel bekommen können. Das System Frauenschach, Frauentitel, Frauenpreise bietet für Frauen schlicht keinen finanziellen Anreiz mehr als ELO 2700+ zu erreichen und in die offene Weltspitze vorzudringen (wie Judit Polgar es damals geschafft hat). Frauenschach mit all ihren Strukturen ist somit finanzielles Privileg von Frauen und nichtfinanzielle Diskriminerung von Frauen zugleich, und finanzielle Diskriminierung von Männern. Ich persönlich finde das System Frauenschach absurd, insbesondere weil Frauen doch in allen gesellschaftlichen Bereichen gleichbehandelt werden wollen und sollten. Ebenso absurd finde ich es, wenn Frauen dann aber bei bereits erheblichen finanziellen Privilegien im Frauenschach noch größere finanzielle Privilegien für Frauen fordern. Aber diese Forderung nach noch mehr finanziellen Privilegien geht völlig an dem vorbei, was doch der Artikel eigentlich auch bemängelt, nämlich einer scheinbar frauenfeindlichen Atmosphäre in einigen Schachverbänden und Schachvereinen. Natürlich ist es auch so, dass Frauen in lokalen Schachvereinen in der ganzen Welt völlig unterrepräsentiert sind. Ich kann mir auch gut vorstellen, dass Frauen in lokalen Schachvereinen deswegen unterrepräsentiert sind, weil sie sich unwohl fühlen, weil sie teilweise von Männern verbal und in manchen Fällen sogar körperlich belästigt werden. Darauf geht der Artikel ja ausführlich ein. Das ist die eigentliche Diskriminerung von Frauen! Nicht das Preisgeld! Und diese Belästigungen von Frauen sind scharf zu verurteilen und absolut inakzeptabel. Es wurden im Artikel ja auch eindrucksvoll Aussagen von (männlichen) FIDE-Repräsentanten zitiert, die schlicht frauenverachtend und somit verwerflich sind. Das ist das Problem, das ist der wahre Charakter von Diskriminerung von Frauen im Schach! Sowas geht gar nicht! Sowas muss bekämpft werden, da muss viel härter durchgegriffen werden. Mein Eindruck ist aber auch, dass es auch lokale Vereine gibt, in denen Frauen nicht diskriminiert werden, zumindest sehe ich auch Vereine, in denen einige Frauen sind und ich sehe an deren Vereinsabenden keine Diskriminierung. Was nicht heißen muss, dass diese Diskriminierung hier und da nicht doch im Verborgenen stattfindet. Aber wenn Frauen wirklich wegen ihrem Geschlecht keine Nachteile hinsichtlich ihrer Schachspielstärke haben und man wirklich Chancengleichheit und Gerechtigkeit zwischen den Geschlechtern haben will und Inklusion von Frauen im Schachsport erreichen will, dann scheint mir der richtige Weg zu sein das System Frauenschach abzuschaffen und gleichzeitig eine frauenfeindliche Atmosphäre in einigen Vereinen und einigen Verbänden zu bekämpfen. Gerade Schach als eine der wenigen Sportarten, bei denen Frauen keinen Nachteil gegenüber Männern zu haben scheinen, sollte hier als Vorbild für diese wenigen Sportarten vorangehen. Dass das nicht so ist, und dass man das System „Frauenschach“ noch verstärkt und damit eine stärkere Separation von Frauen und Männern in der Praxis erreicht, das ist in meinen Augen der völlig falsche Weg und eine völlig falsch verstandene Frauenförderung.

    Es ist wirklich merkwürdig, dass Frauen in den Top 100 der offenen Weltrangliste nicht vertreten sind. Während der geringe Frauenanteil in der Breite der Vereine weltweit mit Sicherheit ein Grund ist, scheint es mir aber nicht der einzige Grund zu sein. Wenn doch weltweit in Schachvereinen Mitglieder zu 10 % Frauen sind, dann müssten eigentlich auch 10 % der Top 100 Frauen sein. Mir scheint ein weitere Grund zu sein, dass es mit den separaten Strukturen im Frauenschach und insbesondere den Titeln als auch den finanziellen Privilegien für Frauen auch geringere Anreize für Frauen im Schach gibt ihre Spielstärke auf Weltspitzenniveau zu steigern.

    Einge spielstarke Frauen haben sich an diese Privilegien so sehr gewöhnt und leben teilweise auch von diesen finanziellen Privilegien, dass sie gegen die Abschaffung von Frauenschachstrukturen kämpfen. Ich verstehe, dass diese Frauen Angst haben ihre finanzielle Lebensgrundlage zu verlieren, aber sie haben sich ihr finanzielles Leben auf einem sachlich nicht begründbaren Privileg aufgebaut. Wenn sie nur offene Turniere spielen würden und dort von den Preisgeldern leben würden, dann wäre das völlig ok. Aber sie leben ja größtenteils von den Preisgeldern in Frauenturnieren, wo Männer ausgeschlossen sind. Und das ist eigentlich eine sachlich unbegründbare Schieflage. Nun hat sich das System so festgefahren, dass die Frauen wegen dieser finanziellen Privilegien dafür kämpfen ein auf nicht-finanzielle Weise diskriminierendes System Frauenschach aufrechtzuerhalten. Männer fühlen sich dadurch zurecht finanziell diskriminiert. Frauen fühlen sich dadurch zurecht auf nicht-finanzielle Weise diskriminiert. Aber wegen der finanziellen Privilegien halten die Frauen nicht nur daran fest, sondern fordern teilweise sogar noch höhere finanzielle Privilegien. Damit wird aber nicht die Ursache von Frauendiskriminierung im Schach bekämpft, im Gegenteil.

    In meinen Augen müssten zwei gleich spielstarke Menschen mit ELO 2500 unabhängig von ihrem Geschlecht in gleicher Weise vom Schach leben können und niemand sollte auf Grund seines Geschlechts in der Schachcommunity diskriminiert oder belästigt werden. Anstatt Symptome von Diskriminierung zu bekämpfen bzw. erlittene Diskriminierung auf andere Weise mit finanziellen Privilegien „wiedergutzumachen“, sollte man die Ursachen von Diskriminierung bekämpfen. Leider sehe ich auf absehbare Zeit keinen Willen der Verbände an die Ursachen ranzugehen. Vielmehr soll das separierende System Frauenschach weiterhin gestützt und sogar noch ausgebaut werden. Es soll damit noch extremer werden. Der Unmut von männlichen Spielern wegen finanzieller Diskriminierung ist dabei ebenso gerechtfertigt und sicher wie der Unmut von weiblichen Spielern wegen nicht-finanzieller Diskriminierung. In meinen Augen hat „Frauenschach“ ebensowenig Zukunft wie „Linkshänderschach“. Schach ist Schach. Niemand hat auf Grund seines Geschlechts einen Vorteil oder einen Nachteil im Schachsport. Und diese wunderbare Gegebenheit wird dennoch mit Füßen getreten dadurch, dass man so tut als sei es wie jeder andere Sport auch etwas, wo Frauen wegen ihres Geschlechts einen Nachteil hätten. Da es im Fall von Schach die geistigen und nicht die körperlichen Fähigkeiten von Frauen adressiert, ist es diskriminierend.

    Was ich falsch finde, ist, wenn einige behaupten oder auch nur suggerieren es gäbe Frauenschach und Männerschach, es gäbe Frauenturniere und Männerturniere. Weil das ist falsch und irreführend. Dieser Artikel hat das nicht behauptet oder suggeriert. Aber trotzdem stellt der Artikel inhaltlich eine falsche Forderung (mit der nach mehr Preisgeld in Frauenturnieren) auf und ist widersprüchlich. Woanders hört oder liest man aber, wie einige Schachspielerinnen, die von ihren finanziellen Privilegien als Frau im Schach leben, wie sie in Medien ABSICHTLICH unter den Tisch fallen lassen, dass sie auch an offenen Turnieren teilnehmen dürfen, während sie medial eine angebliche finanzielle Frauendiskriminierung im Schach behaupten. Und genau das ist unanständig, das ist absolut unverschämt und gehört sich nicht. Denn im Gegenteil, sie LEBEN vom Schach, während andere gleichstarke männliche Schachspieler in ARMUT siechen und nur mit dem Kopf schütteln können angesichts der Dreistigkeit dieser einiger Schachspielerinnen noch größere finanzielle Privilegien zu fordern. Am Ende hat das auch nichts mehr mit Geschlecht zu tun, sondern mit menschlicher Gier nach mehr Geld von einer Gruppe ohnehin bereits privilegierter Menschen. Schade ist, wenn man dann einen Artikel auf Sportschau.de lesen muss, wo Schachspielerinnen dem schachlich nicht so bewanderten Journalisten suggerieren es gäbe Frauenschach und Männerschach und dass Frauen wegen ihres Geschlechts weniger Geld bekämen als Männer, weil z. B. eine deutsche Spitzenschachspielerin den Journalisten auf hochmanipulative Weise dazu bringt sowas zu schreiben, um letztlich medialen Druck für noch größere finanzielle Privilegien für sie durchzusetzen. Das Schlimmste an dem sportschau.de-Artikel war dann zu lesen, dass dem Druck nachgegeben wurde und die Spielerinnen im Frauenturnier künftig dasselbe Preisgeld bekommen wie die (männlichen und weiblichen) Spieler im offenen Turnier. Absurd!

  4. Keine Frau wird von irgendeinem Turnier wegen ihres Geschlechts ausgeschlossen. Jede Frau kann grundsätzlich an jedem Turnier teilnehmen. Ein Mann wird dagegen von Frauenturnieren, die es tatsächlich gibt, wegen seines Geschlechts ausgeschlossen. Frauen haben also nicht weniger Chancen auf Preisgeld wie Männer, sondern sogar MEHR Chancen auf Preisgeld wie Männer, allein schon weil jede Frau an jedem Turnier teilnehmen kann, an dem auch Männer teilnehmen können, und zusätzlich noch an weiteren Turnieren. Darüber hinaus gibt es auch in offenen Turnieren, wo Männer und Frauen gleichermaßen teilnehmen können, oft Sonderpreise für die Frauen mit dem besten Ergebnis im Turnier („Frauenpreis“), oder sogar mehrere Frauenpreise. D. h. sogar in einem offenen Turnier haben Frauen nicht nur mindestens dieselben Chancen auf Preisgeld wie Männer, sondern sogar mehr Chancen auf Preisgeld wie Männer. Sie haben sogar bei vergleichsweise moderater oder sogar schlechter Turnierleistung noch Chancen auf Preisgeld, wenn es solche Frauenpreise gibt. Ich erinnere mich an ein lokales Turnier, eine Bezirkseinzelmeisterschaft, bei der neben Hauptpreisen und Ratingpreisen und Jugenpreisen auch Frauenpreise vergeben wurden. Die beste Frau war am Ende auf Platz 60 bei rund 120 Teilnehmern und hat den ersten Frauenpreis von 50 Euro abgestaubt, während ein Mann auf Platz 6 bei rund 120 Teilnehmern am Ende überhaupt kein Preisgeld gewann. Objektiv ist das natürlich ungerecht gegenüber dem Mann, der eine viel bessere Turnierleistung erbracht hat als die beste Frau. Trotzdem hat sich kein Mann öffentlich beschwert. Wenn also einige Frauen von Diskriminierung im Schach reden und sich über mangeldes Preisgeld in Turnieren beschweren und diesbezüglich über finanzielle Diskriminierung von Frauen beschweren, dann ist das nicht nur absurd, sondern eine Unverschämtheit und entbehrt jeder sachlichen Grundlage. Es ist im Gegenteil so, dass Frauen finanziell privilegiert werden im Schach. Wenn ein Geschlecht im Schachsport finanziell diskriminiert wird, dann das männliche Geschlecht! Mir persönlich platzt da der Kragen (und das völlig zurecht!), wenn ich sehe wie sich manch finanziell privilegierte Frau im Schachsport über angebliche finanzielle Diskriminerung von Frauen im Schach beschwert. Es ist sowas von lächerlich und absurd!

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